Lange Gospelnacht in Schlebusch zur 150-Jahr-Feier des schmucken Kirchleins "Auf dem Blauen Berg".
In der idyllischen Kirche, oberhalb von Schlebuschs Durchgangsstraße gelegen und über einen hohen Treppenaufgang zu erreichen, lassen sich Brautpaare auch anderer Bezirke gern trauen. Dann umrahmen die vor sieben Jahren dort gegründeten Blue Mountain Singers die Zeremonie mit Spirituals. Jetzt gab es einen anderen Anlass, deren Musik zu hören: Die Kirche "Auf dem Blauen Berg" wird bald 150 Jahre alt; der eigentliche Geburtstag ist am 12. Dezember.

Die "Gospelnacht" mit drei weiteren Chören fand allerdings in der weitaus größeren Friedenskirche der Waldsiedlung statt, die zudem über eine erhabene natürliche Akustik verfügt. Die Rechnung des Veranstalters ging auf: Trotz hochsommerlich schwüler Witterung waren fast alle Plätze im Kirchenrund besetzt. Pfarrer Harald Klimek, der die Gäste begrüßte, hatte vorher die langen Bänke auf "Freistellen" durchgezählt und manchen am Eingang wartenden Besucher nach vorne winken können. Hinterher reihte sich der Gemeindegeistliche ebenso rührig in den Kreis der Geld(spenden)sammler ein.

Das eindrucksvolle Konzert strafte alle Zweifler Lügen, dass eine Sache nichts wert sei, wenn sie nichts koste. Die Gospelsänger, modernes und modisches Pendant zum klassischen Kirchenchor, warben ehrenamtlich mit viel Herz, aber auch qualitätsbewusst für die Botschaft des Evangeliums, für Lieder, wie sie entstanden sind Mitte der 20er Jahre in den Straßenkirchen der schwarzen Ghettos amerikanischer Großstädte. Die heutigen Gruppen in Deutschland haben das musikalische Repertoire auf heimischen Geschmacksstand gebracht, sich ihre eigene kleine Show erarbeitet, in der abgezirkelte Choreografie von Körperbewegung und Klatschrhythmik eine zentrale Rolle spielt. Die starke Anteilnahme des Publikums rührte nicht zuletzt daher, dass es vielfach zu derartigem Mitmachen animiert wurde, wenn sich auch sein Klatschtakt mitunter zünftiger Praxis entzog. Beifall, Jubelschreie oder Standing Ovations waren weniger Merkmal differenzierter Beurteilung als einer Gospelnacht, die sich über vier Stunden organisch entwickelte. Bewundernswert, wie die 40 Gastgeber-Choristen unter Anke Held den "Eisbrecher" abgaben. Der von Andreas Ohle geleitete Gospelchor Altenberg blieb souverän in der Fahrrinne. Was ein brillanter, zu Improvisation fähiger Begleitpianist ausmacht, zeigte sich am Beispiel der Bearbeitung von Händels Ohrwurm "Halleluja": Der Good News Gospel Choir Leichlingen trug das eigene Arrangement gekonnt und sicher vor, wobei Bianka Kerres am Pult einfühlsam die Einsätze gab - mit Ehemann Hans am Piano.
Die Krone der Nacht allerdings gebührte den 20 Sängerinnen und Sängern von S(w)inging Chariot Bonn unter Leitung des agilen Stephan Pridik, ein Ensemble von professionellem Zuschnitt, klein und fein. Bewegend schließlich zum Ende der von Chören und Publikum gemeinsam vorgetragene Jubelruf "O Happy Day".

(KStA, Lokalteil Leverkusen - Hajo Schroeder)