Am 26. September 2008 sollte der Gospelchor unter der Leitung von Stephan Pridik wieder auf Reisen gehen. Berlin war das Ziel, wo vor 9 Jahren eines der Gründungsmitglieder des Chores, Gunda Hübschmann, hingezogen war. Ihr neuer Chor „Amazing Voices“ war vor zwei Jahren in Bonn zu Gast und wirkte bei der Gospelnacht am 9.Sept. 2006 mit. Nun hatte er eine Gegeneinladung ausgesprochen.

„Der kleene Bönnsche“, der Reisebus, stand pünktlich um 12 Uhr zur Abfahrt an der Auferstehungskirche bereit. Der Ferienbeginn in NRW wirkte sich leider sehr ungünstig auf die geplante Reisedauer von ca. 7 Stunden aus. Unfälle und Staus sorgten dafür, dass nach 2 Stunden grade mal der Kölner Raum geschafft war, nach 7 Stunden war der Bus erst in Hannover, obwohl die Gastgeber uns zu diesem Zeitpunkt schon in Berlin beim Italiener erwarteten. Dank moderner Technik konnten sie über die ungünstigen Reisebedingungen informiert werden. An der Grenze zu Brandenburg stand ein Schild an der Autobahn, das uns im Land der Frühaufsteher begrüßte. Das sollte sich in den nächsten zwei Tagen noch bewahrheiten. Eine halbe Stunde vor Mitternacht waren wir am Ziel, wo die Berliner vor dem bereits geschlossenen Lokal standen und uns trotzdem herzlich willkommen heißen.

Nach einer kurzen Nacht bei unseren privaten Gastgebern, besichtigten wir am 27.9. bei herrlich sonnigem Herbstwetter das Neue Palais von Sanssouci, wo uns eine kompetente Führerin auf den Spuren der Geschichte wandeln ließ. Alle rutschten in Filzpantoffeln durch Säle und Gemächer des ehemaligen Gästepalastes und ließen sich von aufwändigen Dekorationen der Wände, Decken und Fußböden beeindrucken. Der anschließende Spaziergang durch den Schlosspark endete am Grab Friedrich des Großen.

Zum Mittagessen gingen wir in Potsdam „Zum Fliegenden Holländer“. Leider blieb für einen kleinen Stadtbummel kaum Zeit, denn die Chorprobe zur Gospelnacht in Hennigsdorf stand auf dem Programm. In der katholischen Kirche „Zu den heiligen Schutzengeln“ begrüßte uns Pfarrer Matthias Brühe auf rheinisch, er hatte in Bonn studiert und freute sich auf die Gäste aus seiner zweiten Heimat. Im Gemeindehaus erwartete uns ein reichhaltiges Büffet, an dem wir uns vor Beginn der Gospelnacht stärken konnten.

Um 20 Uhr empfing Pfarrer Brühe die zahlreichen Gäste mit den Worten, dass er eigentlich nichts von Schwarz-Weiß-Denken halte, aber man möge sich überzeugen, wie sich gleich Schwarz und Weiß zu einem harmonischen Ganzen fügen würden, das keinesfalls Grau sei. Amazing Voices trat in Schwarz auf und gestaltete den ersten Teil des Programms mit einer gelungenen Mischung aus Gospel- und Popsongs. Nach einer kurzen Pause setzte Swinging in Weiß das Programm fort und freute sich über tosenden Applaus, bevor das große Finale mit drei gemeinsamen Liedern von 50 Sängerinnen und Sängern gestaltet wurde. Mit „Oh Happy Day“ zogen beide Chöre aus der Kirche aus und feierten im Gemeindenhaus ihren Erfolg weiter.

Nach einer weiteren kurzen Nacht hieß es schon wieder Abschied nehmen, denn für Sonntag war der Besuch in der Lutherstadt Wittenberg geplant. Nach einer zweistündigen Busreise konnten wir das Lutherhaus besichtigen und hatten anschließend Zeit die Schlosskirche, mit den berühmten 95 Thesen von 1517, und die Stadtkirche zu besichtigen. In Wittenberg war Töpfermarkt, die meisten Geschäfte waren geöffnet und überall herrschte bei sonnigem Herbstwetter reges Treiben. Zum Mittagessen waren wir im „Schwarzen Bären“ verabredet und konnten dort auch landes-typische Spezialitäten probieren.

Die 62. These von Martin Luther war gleichzeitig das Motto unserer Reise: Der wahre Schatz der Kirche ist das allerheiligste Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes und das heißt auf Englisch:

The true treasure of the church is the most holy gospel of the glory and grace of god.

Karin Sonnet